Reise

Ich habe ein Zelt gebaut im WHUA. Ich mag es. Letzte Nacht habe ich darin geschlafen, drei Stunden lang.


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16.06.18:

Heute habe ich meine Reise begonnen.

Das erste Zelt stellte ich hinter dem WHUA auf, dabei war ich ganz müde.

Ich habe darin lange geschlafen.

„aber was sött das si?“

„ein Zelt!“

17.06.18

Ich dachte wirklich die Villa steht leer.

Leider war dem nicht so, deshalb musste ich heute noch ein zweites Zelt bauen.

müde…

18.06.18

„Weisch du was das isch?“

„Das sind Maler!“

Heute wollte ich ein Zelt auf einer Insel bauen

Ich brauchte lange bis ich das ganze Material auf die Insel transportiert hatte.

Da musste ich such schon wieder gehen.

Nachdem ich such auf dem Bahngelände nicht sehr willkommen war, machte ich mich auf den Weg zum See.

Dort fand ich eine halbe Villa

Es ist sehr schön hier

Soll ich morgen wirklich schon weiterreisen?

19.06.2018

Bleibe noch eine Nacht hier, schliesslich hab ich vorgestern zwei Zelte gebaut.

Es ist schön in einem Raum zu schlafen, dessen Wände sich mit dem Wind bewegen.

20.06.2018

Urs hat mir Fotos geschickt von seinen Zelten. Morgen überquert er die Grenze nach Dänemark

bin dabei mein Zelt abzubauen. Zeit zum Aufbruch und Zeit Stansstad zu verlassen. Heute morgen sind zwei Bauarbeiter vorbeigekommen und fragten, was ich hier mache. Die Polizei hätte sie angerufen, jemand hätte angerufen, dass da jemand seit drei Tagen am Zelten sei. Gerade eben kam eine wütende Ältere Dame vorbei.

„Säged was mached ihr da! “

Ich konnte leider nichts entgegnen, da ich grad Öl im Mund hatte.

„Das isch de Kanton, das isch verbote!“

Schrie sie weiter. Dann ist sie weitergegangen, um mir aus sicherer Distanz nochmals mit Handzeichen klar zu machen, dass ich hier weg soll. Ich habe freundlich zurückgewunken. Sie machte mit einem weiteren Handzeichen deutlich, dass sich nicht gewinkt hat, sondern mich wegweisen wollte.

Ich muss aber unbedingt hinzufügen, dass der grösste Teil der Reaktionen sehr positiv war. Eine Frau meinte sogar, sie hätte noch nie so ein schönes Zelt gesehen. Ich wurde zur Tankstelle gefahren, um Wasser zu holen und durfte eine gratis Yogastunde besuchen. Es waren sehr schöne Begegnungen.

Weiterfahrt nach Bern

Als erstes machte ich mich auf den Weg zu Reithalle und fragte, ob ich dort mein Zelt bauen dürfe. Die Mitarbeiter des Restaurants sagten spontan ja. Also wartete ich fort etwa drei Stunden, damit eir gemeinsam schauen konnten, wo es am besten passte.

Leider erfuhr ich dann, dass es doch nicht geht. In der Halle lief grad eine Ausstellung namens Squatopia. Da ich dachte, das würde noch passen, fragte ich, ob ich mein Zelt da drinnen aufstellen kann. Siecfanden die Idee schön, aber wollten es doch nicht so richtig, weil die die Halle abschliessen mussten

Sie haben mir schlussendlich Zaffaraia empfohlen, wo ich dann schwressgebadet irgendwann anjam und mein Zelt bauen durfte.

21.06.2018

Im Zug von Bern nach Biel. Es haben mir drei Personen geholfen, den Wagen in den Zug zu heben.

In Biel hat es nicht lange gedauert und ich habe ein Jugendzentrum gefunden, wo ich ein Zelt im Aussenraum aufstellen durfte. Nachdem ich lange dm falschen Ort gegen den Wind angekämpft hatte gab ich es schliesslich auf und begann auf einer anderen Seite des Hauses von neuem. Es ist nun Mitternacht und ich habe das Zelt soeben fertig gebaut und bin KO.

22.06.2018

Nachdem ich in der Badi noch ein bisschen Schlaf nachgeholt hatte und keine Erlaubnis erhielt, dort mein Zelt aufzustellen zog ich meinen Wagen zum Bahnhof. Ich wollte nach Basel, aber der Zug hatte Treppen. Es war Zeit den Paula-Joker zu benutzen :). Ich fuhr mit drei verschiedenen Regionalzügen nach Estavayer, wo ich im Garten des Hauses ihres Vaters mein Zelt aufstellen durfte.

23.06.2018

Unter der Trauerweide

Und wiedereinmal zog es mich runter zum See

Die Leute vom Segelclub sind sehr nett. Sie haben mich zum Essen und zum Rumpunch eingeladen.

24.06.2018

Manchmal hilft auch der Wind beim Abbau des Zeltes

Soeben habe ich den Chef de Hafenrestaurants getroffen er meinte, das gehe nicht, dass ich hier einfach so campiere. Ich meinte, jemand hätte mir die Erlaubnis gegeben, er sagte, er hätte dieses Grundstück gemietet. Und es sei nicht schön, mit der Migrostasche und der Leiter und halte die Leute davon ab, sein Restaurant zu besuchen. Bis am Mittag müsse es weg sein. Ich sagte, dass ich sowieso vorhatte zu gehen. Er meinte noch, dass bald die Polizei käme, um die Parkplätze zu kontrollieren und die mir eine Busse geben würden. Aber zumindest war er freundlich, bei allem was er sagte.

Billy Djité ein Freund und Künstler hat mir Zeichnungen geschickt zu meinen Zelten

Nach einer teuren Schiffahrt (ich musste für das Gepäck bezahlen), bin ich nun in Yverdon gelandet

Ich habe einen schönen Ort am Fluss gefunden. Na ja, es hat ein paar Spinnweben und so, aber doch recht spannend. Am Abend fragte ein Securitas, was das sei. Ich meinte, ein Kunstprojekt und er wünschte mir viel Spass.

Bin ganz nah vom Bahnhof, so dass ich morgen weiterfahren kann.

Meine Aussicht

25.06.2018

Heute war ich richtig früh dran. Als ich meine Auslegeordnung auf dem Gehweg machte, um den Wagen zu packen, kam eine Frau und wollte meine Leiter mitnehmen. Ausserhalb des Hauses, oder des Zeltes muss man sein Eigentum verteidigen 🙂

Zur Zeit wird mir eine Aufmerksamkeit gewidmet, bei der ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich sie vermissen werde. Auch wenn ich nur mir meinem Wagen unterwegs bin, schauen viele. Vor drei Tagen hielten junge Männer die Daumen hoch, nachdem ich den Wagen ein Tunnelrampe hochgezogen hatte. Andere haben einen Ausdruck im Gesicht, der Erstaunen mit Abneigung, Angst und Ratlosigkeit mischt. Machmal sage ich freundlich „Bonjour“ und manchmal lächeln sie dann zurück.

Heute bin ich in Genf angekommen. Ich habe meinen Cousin gefragt, ob er einen guten Ort wisse. Er empfahl mir einen Ort an der côte du rhône. Der Weg dorthin war nicht ganz einfach mit meinem Wagen. Ich musste mehrere Leute um Hilfe bitten und auch einmal den ganzen Wagen entladen und ein Stück weit alles einzeln transportieren – es hatte da so fiese Treppen.

Aber irgendwie bin ich dann an diesem wunderbaren Ort gelandet, wo Raubvögel durch die Luft fliegen und Fische aus dem Wasser springen.

26.06.2018

Heute Morgen hat mich meine Tante Barbara bei meinem Zelt besucht. Wir haben zusammen Tee getrunken. Sie macht wunderbare Hüte aus tollen Stoffen

Am Mittag kam dann noch mein Cousin Georges vorbei. Er half mir den Wagen wieder vom Ufer hochzuziehen. Beim Hochziehen ging der Zugbügel kaputt. Die Kabelbinder, die mit Hilfe aus Bern und Zaffaraia angebracht worden waren hielten dem Gelände nicht stand. Am Bahnhof befestigten wir die Stange mit vereinten Kräften neu.

Irgendwie bin ich jetzt mit all meinen Sachen in einem Fotostudio gelandet. Ein merkwürdiges Gefühl, sich plötzlich in einem Innenraum zu befinden.

Irgendwie wird vieles sinnlos an meinem Zelt im Raum. Nur schon, dass ich überhaupt ein Zelt baue, ist irgendwie sinnlos. Seinen Sinn als schützende Hülle hat es irgendwie verloren. Als Skulptur wird es nur von mir selbst wahrgenommen. Ausser vielleicht auf den Fotos. Der Teppich, der vor dem schmutzigen Biden schützt ist auch zur blossen Dekoration degradiert und ich könnte ebensogut auf dem Sofa schlafen, das hier steht. Aber es ist mein Zuhause, und dadurch, dass ich es auch hier aufstelle, bin ich hier zuhause. Ich merke, wie ich es gemütlicher nehme mit dem Aufbauen, ich bin ja nicht auf Tageslicht angewiesen – obwohl, draussen hat es manchmal auch viel Licht, fast zu viel.

27.06.2018

Der Morgen im Fotostudio war erholsam. Es hatte ein Toilette, eine Dusche, fliessend Wasser und Strom. Und ganz viele Spiegel.

Jetzt bin ich wieder am Reisen. Richtung: La Chaux-de-Fonds.

Ich habe mein Zelt auf dem Dach einer Garage aufgebaut

Auf der anderen Strassenseite befindet sich ein Riesenwohnblock

Ich habe keine Ahnung wieviele Augen mich in dem Moment beobachten. Ich habe mich ins Zelt verkrochen. Eigentlich müsste ich ja mal, aber ich warte lieber, bis es dunkel ist – an einem der längsten Tage des Jahres.

Na ja, das mit dem Lucht in der Nacht ist so eine Sache.

Ich hab mich vorher kurz rausgewagt. Ich fühlte mich ein wenig wie auf dem Mond.

28.06.2018

Heute morgen hatte ich so ein Gefühl, dass es besser wäre, das Zelt früh zusammen zu räumen. Ich war eigentlich recht erstaunt, dass ich überhaupt so lange bleiben konnte. Ich baute also das Zelt ab, transportierte das ganze Material wieder den kleinen Bord hinunter und packte meinen Wagen. Die Kabelbinder, welche die Zugstange hielten, die wir vorgestern erst neu angebracht hatten, waren schon wieder kaputt. Ich ging trotzdem los. Irgendwie hielt es noch ein wenig.

Ich hatte den Wagen keine hundert Meter gezogen, da fuhr ein Polizeiauto an mir vorbei. Vielleicht war das nur Zufall.

Irgendwo später auf dem Weg machte ich Halt um die Stange neu zu befestigen.

Café’s sind eine gute Erfindung.

Weil ich einen Zug verpasst habe, bin ich in Thun gelandet. Nach einem Spaziergang durch den Schlosspark fand ich das Openair Thun, das einen Tag später beginnt. Ich durfte da mein Zelt aufstellen. Der Wind machte es mir nicht ganz leicht. Ich musste viel nähen, bis meine Nadel zerbrach.

Eine Freundin kam mich im Zelt besuchen.

29.06.2018

Nach dieser Reise kann ich wirklich sagen, dass ich weiss, wie es sich anfühlt ein Hindernis zu sein. Ein müdes Hindernis 🙂

Die letzte Nacht habe ich nochmals ein Zelt im WHUA gebaut.

30.06.2018

Mein letztes Zelt habe ich heute sn der Diplomfeier gebaut. Bilder folgen…

Der Wagen ist nun entpackt zu Hause.